Gerstengras

Gerstengras ist das nährstoffreiche Gras der jungen Gerste. Es ist reich an Nährstoffen, antioxidativen Enzymen und Chlorophyll. Gerstengras wird wegen seiner antioxidativen, entgiftenden Wirkung (Chlorophyll bindet das krebserregende Aflatoxin) und dem Einfluss auf die Blutfettwerte, sowie die Wirkung gegen Stress und depressives Verhalten erforscht. Der Großteil der Forschung wurde jedoch hauptsächlich im Tiermodell oder Zellkulturen durchgeführt. Klinische Studien sind selten, so dass eine Wirksamkeit im Menschen nicht ausreichend belegt ist. Gerstengras wird gerne unter Eiweißshakes und Smoothies gemischt, es liefert Ballaststoffe und Nährstoffe.

Gerstengras ist das junge Gras und Blätter der Gerstenpflanze (Hordeum Vulgare L). Es ist ein nährstoffreiches Gras, das in einer bestimmten, frühen Phase geerntet wird. In dieser Phase, vor der Bildung der Gerstensamen, erreicht die Konzentration der Nährstoffe in der Gerste einen Spitzenwert.

Gerstengras ist sehr anfällig für die Oxidation und Hitze, was eine schonende Verarbeitung von Gerstengraspulver erfordert. Dafür wird die Pflanze zu einem dickflüssigen Saft verarbeitet und durch Sprühtrocknung innerhalb von Sekunden zu Pulver getrocknet. Auf diese Weise werden die verwertbaren Teile der Pflanze konserviert, luftdicht und lichtgeschützt gepackt.

Gerstengras Inhaltsstoffe

Da Gerstengras in einer Wachstumsphase geerntet wird, in der die Nährstoffkonzentration sehr hoch ist, sind die Nährwerte recht ansprechend (1).

Gerstengras enthält:

  •         11-mal so viel Calcium wie Kuhmilch
  •         6.5-mal so viel Beta-Carotin als Spinat
  •         3.3-mal mehr Vitamin C als Spinat
  •         5-mal mehr Eisen als Spinat
  •         7-mal mehr Vitamin C als Orangen
  •         2-mal mehr Beta Carotin als Karotten
  •         30-mal mehr Vitamin B1 als Milch
  •         4-mal mehr Vitamin B1 als Vollkornmehl

Dennoch muss man bedenken, dass man vom Gerstengras üblicherweise keine großen Mengen zu sich nimmt wie, wenn man Orangen, Milch oder Spinat isst. Die übliche Dosierung bewegt sich im Bereich von 3 Esslöffeln täglich. Gerstengras enthält alle 20 Aminosäuren, darunter auch die 8 essentiellen Aminosäuren, die der Körper nicht selbst produzieren kann. Diese liegen in Form von Polypeptiden vor und werden dadurch etwas leichter absorbiert (1).

Gerstengras als Detox Mittel?

Gerstengraspulver ist auch sehr reich an Chlorophyll, dem sogenannten Grünen Blut. Chlorophyll ist die pflanzliche Variante des humanen Hämoglobins und funktioniert indem es CO2 bindet und so den Pflanzen als Wachstumssubstrat zur Verfügung stellen. Chlorophyll zeigt Eigenschaften, die es als eine Art Ersatz für Hämoglobin bei Menschen mit Blutarmut und generell hämolytischen Erkrankungen interessant machen. Zudem bindet Chlorophyll einige krebserregende Substanzen wie Heterozyklische Amine (gekochtes Fleisch), Polycyclische Hydrocarbone (geräucherte Lebensmittel) und Aflatoxin, ein Toxin der vom Schimmelpilz produziert wird und sich auf Lebensmitteln niederschlagen kann.

In einem doppelblind, placebokontrollierten klinischen Versuch mit 180 Teilnehmern, bekam die Hälfte der Teilnehmer 300 mg Chlorophyll täglich über 4 Monate zum Essen verabreicht. Die Forscher stellten bei den behandelten Probanden ein um bis zu -55 % reduziertes Aufkommen von Aflatoxin-DNA Verbindungen im Blut fest. Diese stehen für das Ausmaß der Aflatoxin Belastung und die erbgutschädigende Wirkung des Aflatoxins, die mit der Entstehung von Leberkrebs assoziiert ist. Man kann also sagen, dass Nahrungsmittel mit einer hohen Chlorophyll Konzentration entgiftend gegen Aflatoxin wirken (2).

Gerstengras gehört zu dieser Gruppe von Nahrungsmitteln dazu und wird deswegen gerne für Detox Zwecke beworben, wobei dieser Begriff recht schwammig und in der Regel irreführend ist Der Körper selbst verfügt über Reinigungsmechanismen und einem Schutz vor toxischen Substanzen. Diese lassen sich optimieren, nur das Ausmaß dieser Optimierung ist schwer einzuschätzen. Zu dieser Gruppe von Substanzen gehört N-Acetyl-Cystein (weil es die Glutathion Werte erhöht) und beispielsweise die Spirulina Alge, die im Tiermodell bei Vergiftungen durch Schwermetalle eine deutliche Bindungskapazität aufwies.

Antioxidative Wirkung und DNA-Reparatur

Gerstengras enthält relativ hohe Konzentrationen des antioxidativen Enzyms Superoxid Dismutase (SOD). Dieses spielt eine bedeutende Rolle in der Unterdrückung von oxidativen Schäden innerhalb der Zellen. Es ist dennoch umstritten ob SOD, das über die Nahrung aufgenommen wird, überhaupt wirksam in den Blutkreislauf und Zellen aufgenommen werden kann. Eventuell beschützt das Gersten- und Weizenprotein Gliadin (Hordein in der Gerste) das SOD vom Abbau im Magen und ermöglicht so dessen Transport in die Blutbahn. In einer entsprechenden Studie, in der SOD und Gliadin zusammen an Sportler verabreicht wurden, wurde ein Anstieg der SOD Aktivität im Blutplasma gemessen (3). SOD aus dem Gerstengraspulver könnte daher bioaktiv im Menschen sein. Hierzu fehlt aber umfangreichere Forschung.

Neben dem SOD enthält Gerstengras eine Reihe weiterer antioxidativer Substanzen. Eins davon ist das Flavonoid Saponarin, das stärker antioxidativ wirkt als Alpha-Tocopherol. Saponarin verhinderte in vitro recht effizient die Entstehung des toxischen Malondialdehyd, das durch die Reaktion von Omega-3 Fettsäuren wie EPA und DHA und freien Radikalen entsteht (4).

In einer kleiner angelegten Studie mit Typ 2 Diabetikern nahmen diese einen Monat lag jeweils entweder 15 g Gerstengraspulver, 200 mg Vitamin C oder 200 mg Vitamin E ein und eine Gruppe nahm alle 3 Präparate gleichzeitig zu sich. Das Gerstengras schützte das LDL-Cholesterin vor der Oxidierung (oxidiertes LDL-Cholesterin fördert die Gefäßverkalkung), war aber effizienter, wenn Vitamin C und E dazu genommen wurden (5).

Ähnliche Ergebnisse wurden mit einem Gerstengras Extrakt bei Rauchern erzielt, die entweder 15 g Gerstengras oder 60 g Hiobsträne für einen Monat lang einnahmen. Die Einnahme reduzierte in dem Versuch die LDL-Cholesterin Werte und den Anteil des durch freie Radikale oxidierten LDL-Cholesterins. Auch dieser Versuch ist leider nicht in Form einer Doppelblindstudie durchgeführt worden, was die Qualität der Ergebnisse in Frage stellt (6).

Das Protein P4D1 aus dem Gerstengras soll laut einer Forschungsarbeit die Reparatur der DNA-Stränge anregen und so zum Zellschutz beitragen (7). Diese Ergebnisse sind alles andere als ausreichend, sondern eher mangelhaft um eine solche Behauptung und Wirkung ausreichend zu belegen.

Gerstengras und der Stoffwechsel

In einer japanischen Studie führte Gerstengras zu einem verzögerten Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit bei jenen Probanden, die generell zu einem übermäßigen Blutzuckeranstieg neigen. Diese Wirkung resultiert wahrscheinlich durch die unlöslichen Ballaststoffe aus dem Gerstengras, welche den Nahrungsverdau verlangsamen (8).

In einer randomisierten Studie führte die Einnahme von 500 mg Gerstengras in Kapseln nicht zu einer Besserung der LDL-Cholesterin und Gesamtcholesterin Werte. Die Forscher gingen ursprünglich davon aus, der lösliche Ballaststoff Hexacosanol aus dem Gerstengras, würde den Cholesterinspiegel senken. Warum eine so niedrige Dosis gewählt, obwohl 15 g eher die übliche Anwendungsdosis entsprechen, ist unklar. Die Forscher selbst stellten die eigene Wahl der Dosis in Frage (9).

Es liegt nur eine weitere Studie im Tiermodell vor, in der die für eine Gefäßverkalkung (Atherosklerose) genetisch anfälligen Tiere Gerstengraspulver zur Nahrung zugesetzt bekamen. Dies führte zu einer Reduktion der Gefäßverkalkung um -30 %. Die Forscher vermuten eine Senkung der Blutfette und die antioxidative Wirkung hätten zu dieser Reduktion beigetragen. Klinische Studien sind jedoch von fundamentaler Bedeutung um eine solche Wirkung auch im Menschen eindeutig zu belegen (10).

Antistress, adaptogene Wirkung

Gerstengras wurde nur im Tiermodell auf Eigenschaften untersucht, die das Nervensystem und die mentale Leistung betreffen. In einer Studie half das Gerstengras den Nervenwachstumsfaktor BDNF (brain derived nerve growth factor) auf einem höheren Level bei gestressten Tieren zu halten. Stress und Depressionen sind mit einer sinkenden BDNF Konzentration assoziiert, was auch in einer geringeren Neurogenese und einer Beeinträchtigung der mentalen Leistungsfähigkeit resultiert. Die Tiere waren zudem physisch aktiver als jene, die kein Gerstengras bekamen. Depressives Verhalten führt zu einer geringeren Motivation zur physischen Betätigung (11). Ähnliche Ergebnisse wurden in einer weiteren Studie erzielt, bei der die Tiere Schwimmtests absolvieren mussten. Gerstengras wirkte auch hier antidepressiv.

Diese Ergebnisse sagen leider nichts über die Wirkung beim Menschen aus. Gerstengras ist daher auch bei weitem kein Ersatz für eine Therapie.

Immunsystem – antientzündliche Eigenschaften

Um die antientzündliche Wirkung des Gerstengras Extrakts und des darin enthaltenen SOD-Enzyms zu testen, wurden in einem Versuch Immunzellen aus dem Blut und Gelenkflüssigkeit von Patienten mit Rheumatoider Arthritis entnommen und in Kontakt mit dem Extrakt gebracht. Dieser reduzierte die Freisetzung des entzündungsfördernden Botenstoffs TNF-α (Tumornekrosefaktor) und freien Radikalen aus den entsprechenden Immunzellen, die sonst Mediatoren der entzündlichen Reaktion in den Gelenken sind. Die Forscher waren der Meinung, das SOD im Verbund mit den restlichen Bestandteilen des Gerstengrassafts wäre effizienter als reines SOD(12). Eine ähnliche Wirkung wurde in einem weiteren Versuch erzielt, in dem die Wirkstoffe aus dem Gerstengras die Freisetzung des TNF- α aus humanen Monozyten reduzierten (13).

Dennoch bleibt es fraglich, ob die gleiche antientzündliche Wirkung nicht nur in Zellkultur erzielt wird, sondern auch wenn das Gerstengras oral von Patienten eingenommen wird. Auch hier fehlen klinische Studien.

Dosierung und Anwendung

Gerstengras kann in Eiweiß Shakes zusammen mit Whey Protein oder in Smoothies gemischt werden. In der Regel bewegt sich die tägliche Einnahmemenge bei 15 g. Es sind keine Nebenwirkungen bei dieser Dosierung keine bekannt.

Quellenangaben

1. Foda M. Young Green Barley Leaves as Natural Antioxidants: Principles, Concepts, Bioassay. 2012. 

2. Egner PA, Wang JB, Zhu YR, Zhang BC, Wu Y, Zhang QN, et al. Chlorophyllin intervention reduces aflatoxin-DNA adducts in individuals at high risk for liver cancer. Proc Natl Acad Sci U S A. 2001 Dec 04;98(25):14601-6. PubMed PMID: 11724948. Pubmed Central PMCID: PMC64728.

3. Romao S. Therapeutic value of oral supplementation with melon superoxide dismutase and wheat gliadin combination. Nutrition. 2015 Mar;31(3):430-6. PubMed PMID: 25701330.

4. Kamiyama M, Shibamoto T. Flavonoids with potent antioxidant activity found in young green barley leaves. J Agric Food Chem. 2012 Jun 27;60(25):6260-7. PubMed PMID: 22681491.

5. Yu YM, Chang WC, Chang CT, Hsieh CL, Tsai CE. Effects of young barley leaf extract and antioxidative vitamins on LDL oxidation and free radical scavenging activities in type 2 diabetes. Diabetes Metab. 2002 Apr;28(2):107-14. PubMed PMID: 11976562.

6. Yu YM, Chang WC, Liu CS, Tsai CM. Effect of young barley leaf extract and adlay on plasma lipids and LDL oxidation in hyperlipidemic smokers. Biol Pharm Bull. 2004 Jun;27(6):802-5. PubMed PMID: 15187421.

7. Hotta Y. Stimulation of DNA repair-synthesis by P4DI: One of the novel components of barley extracts. 1984.

8. Takano A, Kamiya T, Tomozawa H, Ueno S, Tsubata M, Ikeguchi M, et al. Insoluble fiber in young barley leaf suppresses the increment of postprandial blood glucose level by increasing the digesta viscosity. Evid Based Complement Alternat Med. 2013;2013:137871. PubMed PMID: 24348688. Pubmed Central PMCID: PMC3857754.

9. Byun AR, Chun H, Lee J, Lee SW, Lee HS, Shim KW. Effects of a Dietary Supplement with Barley Sprout Extract on Blood Cholesterol Metabolism. Evid Based Complement Alternat Med. 2015;2015:473056. PubMed PMID: 26101533. Pubmed Central PMCID: PMC4458530.

10. Yu YM, Wu CH, Tseng YH, Tsai CE, Chang WC. Antioxidative and hypolipidemic effects of barley leaf essence in a rabbit model of atherosclerosis. Jpn J Pharmacol. 2002 Jun;89(2):142-8. PubMed PMID: 12120756.

11. Yamaura K, Tanaka R, Bi Y, Fukata H, Oishi N, Sato H, et al. Protective effect of young green barley leaf (Hordeum vulgare L.) on restraint stress-induced decrease in hippocampal brain-derived neurotrophic factor in mice. Pharmacogn Mag. 2015 May;11(Suppl 1):S86-92. PubMed PMID: 26109779. Pubmed Central PMCID: PMC4461973.

12. Cremer L, Herold A, Avram D, Szegli G. A purified green barley extract with modulatory properties upon TNF alpha and ROS released by human specialised cells isolated from RA patients. Roum Arch Microbiol Immunol. 1998 Jul-Dec;57(3-4):231-42. PubMed PMID: 11845435.

13. Cremer L, Herold A, Avram D, Szegli G. Inhibitory capacity of some fractions isolated from a green barley extract upon TNF alpha production by the cells of the THP-1 human monocytes line. Roum Arch Microbiol Immunol. 1996 Oct-Dec;55(4):285-94. PubMed PMID: 9558963.

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